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Ein ganz normaler Prozess?

lockerViel Aufsehen hat die Verhandlung um den Bayern Präsidenten Ulrich H. in der vergangenen Woche verursacht. Mir schien es, das sämtliche Anhänger aller Clubs sich gegen den Chef des Trippelsiegers gestellt hatten. Unverhohlen wurde auf Twitter de Kopf von Uli gefordert, teilweise mit witzigen Tweets als auch mit vielen unschönen Tweets. Es war Unterhaltung pur, über Tage, zumindest für Interessierte.

Unter gutem Journalismus stelle ich mir etwas anderes vor.

Das Urteil fand ich für meinen Geschmack etwas zu milde, die Forderung der Staatsanwaltschaft München war auch um zwei Jahre höher. Die am Abend des Richterspruchs verbreitetet Meinung, es sei ein gerechtes Urteil und es würde die Steuerehrlichkeit weiter fördern, teile ich nicht. Die gesetzlichen Bestimmungen zur Selbstanzeige sind klar geregelt und erlauben keinen „second Shot“, im ersten Versuch, sich von der Steuerschuld straffrei freizukaufen erlaubt nur einen Versuch. Dieser wurde zur Eröffnung des Verfahrens schon durch die neuen Angaben des Angeklagten zur hinterzogenen, deutlich größeren, Summe hinfällig. Am zweiten Prozesstag, wurde das Ergebnis der Steuerschuld noch einmal durch eine Steuerfahnderin deutlich noch oben korrigiert, so das auch der zweite Versuch als misslungen angesehen werden muss. Hinzu kommt noch der Makel der lange zurückgehaltenen Unterlagen des Ulrich H.. Für mich ein eindeutiger Hinweis, dass es dem Angeklagten immer noch darum ging, die wirkliche Höhe der zu zahlenden Steuern weiter zu verschleiern, oder gab es in der Vergangenheit noch andere Dinge, die zum plötzlichen Reichtum des Herrn H. beitrugen und nicht an das Licht der Öffentlichkeit kommen sollten?

Insgesamt bin herrscht bei mir die Auffassung vor, Herr Hoeneß ist sehr gut mit drei Jahren und sechs Monaten davongekommen, ein zu mildes Urteil. Dann bleibt noch der fade Beigeschmack, dass die Kammer beim Landgericht München nicht unbedingt aufklären wollte, sondern den Akt einfach und schnell vom Tisch haben wollte.

Der deutsche Journalismus kommt auch nicht gut bei der Sache weg. Es gipfelte teilweise in „Verknackt Ihn“ Triaden und die wirklichen wichtigen Fragen zur Anhäufung des Millionenvermögens bleiben weiter unbekannt. Besser machen es da die Schweizer, obwohl ja eine eidgenössische Bank ja maßgeblich involviert ist, die die Millionen und deren Entstehung hinterfragen. Unter gutem Journalismus stelle ich mir etwas anderes vor.

Auch die Sondersendungen vom staatlichen Bezahlfernsehen waren überflüssig, so wie die Äußerung der Kanzlerin über den guten Charakter des Verurteilten, dass er nicht in ein Berufungsverfahren geht. Es ist ein dreister Straftäter verurteilt worden, wie es mehrere hundert Mal am Tag passiert, nicht mehr und auch nicht weniger.

Ob der gesamte Prozess den Willen zur Steuerehrlichkeit bei dem verhängten Strafmaß in diesem Land fördert, bezweifle ich.

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