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Mein Kampf

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üppige Balkonbegrünung

Meine Balkonbegrünung ist recht erfolgreich, obwohl der Austritt nach Norden zeigt und nur am Morgen in der Sonne steht. Es befinden sich zwei über zwei Meter lange und ausreichend breite und tiefe, festmontierte Kästen auf dem Balkon, der Linke wurde von mir mit Blumen bepflanzt, der Rechte wurde als kleiner Kräutergarten mit Radieschen angelegt. Damit ich mir das Düngen erspare, fege ich die Blätter, die mir der Herbstwind auf den Balkon weht zusammen und arbeite sie in die Erde ein. Damit die dann auch verwertet werden habe ich aus einem Angelgeschäft Regenwürmer gekauft und sie in eine begrenzte Freiheit in diesen beiden Kästen entlassen. Ein nachhaltiges Konzept also. Die Würmer fressen die zugeführten Blätter und produzieren dafür Humus, der die Pflanzen versorgt und diese es mir mit üppigem Wachstum danken. Also eine Win, Win Win Situation. Bis kurz vor Pfingsten.

…die Genauigkeit meiner Würfe waren sicherlich besser als die Schießergebnisse vieler Rekruten der Bundeswehr mit einem G 36

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Vandalismus pur

Der Balkon war in keinem guten Zustand mehr, die Kastenbeete waren durchwühlt, teilweise mit zentimetertiefen Löchern versehen, die Reihen der zart keimenden Radieschen, deren Verzehr in der zweiten Junihälfte geplant war, waren zerstört und lückenhaft. Die für die erste Hälfte gedachten Radieschen, die schon etwas ausgebildet waren, lagen teilweise ausgerissen und angetrocknet in der Gartenanlage. Selbst die Erde zwischen den Platten war aufgewühlt und lag trocken und fast zu Sand verfallen herum. Es musste etwas passiert sein, während meiner Abwesenheit. So wie mein Balkon aussah, musste es im Frühjahr 1945 nach der Eroberung der Hauptstadt durch die sowjetischen Invasionsbefreiungstruppen ausgehen haben. Ein Bild der Zerstörung und Verwüstung.

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Verursacher, eine Drossel

Nachdem ich mich mit einem Drink und der wohlverdienten Feierabendzigarette mit Blickrichtung Balkonchaos vor die geöffnete Glastür gesetzt hatte, kam das Übel der Dinge angeflogen und machte sich erneut am Kräutergarten zu schaffen, in dem es seinen Schnabel in die Erde steckte und heftig mit dem Kopf wirbelte um so an meine fleißigen Humusproduzenten zu kommen, sie in den Schnabel zu nehmen und von dannen zu fliegen um kurz darauf wieder frech den Vandalismus in meinem Biotop fortzusetzen. Es musste ein Ende haben! Maßnahmen mussten her und zwar schnell, bevor noch die letzten Gartenhelfer dem Kannibalismus zum Opfer fallen würden. So etwas konnte ich nicht dulden! Meine Regenwürmer lasse ich nicht im Stich, so wie die Deutsche Regierung ihre Bürger in der NSA Affäre.

Meine Regenwürmer lasse ich nicht im Stich, so wie die Deutsche Regierung ihre Bürger in der NSA Affäre.

Als erste Maßnahme wurde eiligst Bastelholz herbei geschafft und über die frei zugänglichen Stellen der Pflanzenheimat gelegt. Während ich mir Schutzmaßnahmen überlegte, war die Drossel emsig dabei, das schnell aufgelegte Holz beiseite zu drücken und ihrer Gier nach den Erdbewohnern ungehemmt freien Lauf zu lassen. Sie dachte nicht im entferntesten daran, diesen frisch entdeckten Wurmdiscounter aufzugeben. Selbst meine Würfe mit Kerzenstummeln, die vom langen Winter übrig waren hielten Sie nicht wirklich ab. Sicherlich, die Genauigkeit meiner Würfe waren sicherlich besser als die Schießergebnisse vieler Rekruten der Bundeswehr mit einem G 36, aber eben noch immer zu ungenau.

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Wirkungslose Gegenmaßnahmen

Am nächsten Tag musste also was handfestes her, um die Regenwurmverluste zu minimieren, am besten ganz zu unterbinden. Den Schußwaffengebrauch, habe ich nach kurzen Andenken wieder verworfen, denn es ist ja strafbar, zumal ja gerade Brutzeit ist. Und dann ist da ja noch die Sache mit der Arteneinteilung, also eine Drossel fällt da sicherlich in die Kategorie Singvogel, da hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben.

Als nächste Möglichkeit dachte ich an eine Leihkatze. Vor langer, langer Zeit hatte ich ja mal zwei Katzen, eine davon war ein etwas großgewachsener, durchtrainierten Achtkilokater. Sein Hobby war es, galant durch einen Süßkirschbanum zu schweben und jeder Drossel, die auch nur eine Kirsche falsch ansah mit einem gezielten Sprung zu fangen um ihr dann unmissverständlich klar zu machen, dass das auf anpicken der süßen Kirschen die Todesstrafe steht. So etwas würde mir sicher helfen, schnell und unkompliziert, nur diesmal mit Regenwürmern. Das Googlen brachte keinerlei Erfolge, was einen Leihkatzenservice im Ruhrgebiet betraf.

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eilig eingeleitete Schutzmaßnahmen um den Gau zu verhindern

Als nächstes spielte ich die Möglichkeit durch, das gierige Tier mit einer Mischung aus Brotkrumen und Haferflocken, die ich in feinstem Kräuterlikör tränken wollte, so zu Aufgabe zu bewegen. Immerhin ist es bei mir im Haushalt auch Körnerbrot. Vielleicht gelingt es mir so, eine Trunkenheit bei dem Vogel herbeizuführen und so eine Art Gedächtnisverlust durch übermäßigen Alkoholkonsum auszulösen. Die Regenwurmfressmaschine, immerhin zählte zwischenzeitlich ich Verluste von 20 Würmern, in zwei Tagen, nur bei meiner Anwesenheit, würde einfach vergessen, wo sie in den letzten Stunden gewesen ist, und sich nicht mehr daran erinnern, das s es bei mit Würmer, fast wie auf dem Silbertablett serviert gibt. Auch mit dieser Art der Vogelvertreibung hatte ich Erfahrungen gesammelt. Immerhin gelang es mir so, vor langer Zeit ein paar Hamburger Großstadttauben so für einige Stunden aus dem Verkehr zu ziehen.

Die Drossel und ich schlossen nach drei Tagen ein loses Agreement, das vorsah, das ich an geeigneten Stellen auf dem Freisitz Haferflocken und Sonnenblumenkerne (natürlich geschält) in ausreichenden Mengen zu Verfügung stellte. Dafür blieb der Restbestand meiner im Garten helfenden Würmer unangetastet.

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