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Kunst statt Singen

Die Entscheidung ist mir nicht schwer gefallen, den es lockte „Licht an“ im Stadtteil Ückendorf in Gelsenkirchen. Dieses Jahr auch mit einer Neuerung, dazu aber später mehr.
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Traditionell beginne ich die Tour immer im Norden, in der Galerie Ü12-Patterre, nachdem ich mich vom Hauptbahnhof durch die „Roma-Gasse“ gequält habe. Hier präsentiert das Künstlerehepaar. Neben selbstgebackenen die Fotografien des Mannes und die Skulpturen der Frau. Also alles sehr abwechslungsreich. Interessant ist, das beide auch an einem gemeinsamen Thema arbeiten, dieses Mal waren es Metalle. Männlich setzt es fotografisch in Szene, weiblich kümmert sich um die darstellende Kunst, sprich Skulpturen. Erwähnenswert ist noch, das zu jeder Ausstellung die ganze Galerie neu ausgestattet wird. Die herzliche Begrüßung macht den Besuch grundsätzlich zu Pflicht unter den teilnehmenden Galerien.

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Nach ein paar Metern Fußmarsch biege ich dann immer rechts in die Bergmannstraße ein, der eigentlichen „Meile“ dieser Adventsveranstaltung. Hier reihen sich in lockeren Abständen diverse Galerien aneinander. Ein Muss für jeden Besucher ist gleich der erste Stopp, die Galerie Stein. Was durch Fenster betrachtet wie ein Sammelsurium aussieht, ist bei näherer, also im Inneren der Galerie eine Sammlung aus verschiedenen Dekaden der Kunst. Dazu gibt es fachkundige Erläuterungen vom Inhaber, Herrn Stein.

Ein weiterer, fester Punkt für mich ist die Galerie Pilgrim Art. Hier stellen zwei Künstler aus, im Vorraum gibt es Fotografien, in den hinteren, etwas düsteren Räumen sind dann die Arbeiten von Roman Pilgrim zu sehen. Es handelt sich vorwiegend auch um Bilder, nur dieses Mal sind sie gemalt, was nicht heißen soll, dass das eine oder andere Kunstwerk düster erscheint, sonder es ist eher das Gegenteil. Die Werke in verschiedenen Rottönen haben mir sehr gut gefallen
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Auch die Ausstellungsräume des Bundes der Gelsenkirchener Künstler gehören zu meinen Anlaufstellen. Hier fand ich die Interpretation von Rotkäppchen sehr gelungen, die Ausstellung arbeitet die Themen der poetischen und irrealen Welt der Märchen künstlerisch auf. Hier kamen unterschiedliche Materialien, Fotografien, Zeichnungen und einiges mehr zur Anwendung, sehr interessant.

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Wenn ich heute von Fixpunkten spreche, dann darf das Artdepot natürlich nicht fehlen. Hier stellt die Künstlerin Renate Brändlein ihre Werke aus. In den Sommermonaten weilt sie immer in der Sonne Spaniens und diese Einflüsse sind auch in dem einen oder anderen Kunstwerk sichtbar.

Sehr zu meinem Leidwesen hatte die Kutschenwerkstatt geschlossen und wird sich wohl erst wieder im Mai, dann zu „Tür auf“ mit einer Ausstellung beteiligen. So blieb mir als Schusspunkt nur die 109 (Bochumer Straße 109). Dieses Projekt ist der Stadt Gelsenkirchen zu verdanken, Es ist ein Haus, in dem alle Wohnungen leerstehen und jeder der künstlerisch etwas machen möchte, kann sich bei der Stadt melden, bekommt eine Wohnung zugewiesen und kann dann sein künstlerisches Konzept zu den Tagen der Galeriemeile „Licht an“ (November) und „Tür auf“ (Mai) der Öffentlichkeit präsentieren. Da die Wohnungen nicht mehr „jungfräulich“, also unbenutzt sind, befinden sich Wandbemalungen oder verlassene Kunstwerke schon in diesen Wohnungen und werden so in das neue künstlerische Konzept mit eingebaut. An dem Wochenende stellte Jaqueline Loboddia in einer Wohnung im ersten Obergeschoss aus, eine mehr und mehr digitalisierte Welt, in dem der Mensch seltsam analog und immer mehr als unperfekt erscheint. Im zweiten Stock gab es dann noch eine Überraschung, diese Wohnung wurde einer afghanischen Künstlerin, die im vergangenen Jahr geflohen ist für einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt. Die gemalten Bilder verdeutlichen sehr gut, warum Menschen ihre vertraute Heimat verlassen müssen, um auch in Zukunft sicher leben zu können und so ihr Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Leider waren ihre Werke nicht offiziell Teile der Galeriemeile, was sich hoffentlich im Mai kommenden Jahres ändern wird. Fotos von ihren Werken werde ich hier nicht veröffentlichen, das Sie es nicht möchte und ich dieses akzeptiere, so muss sich jeder Kunstbegeisterte die Mühe machen, sich ein eigenes Bild von Ihrer Ausstellung zu machen.
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Eine Neuerung gab es in diesem Jahr: Jeder Besucher konnte sich in den besuchten Galerien einen Stempel abholen und dann die gestempelte Karte abgeben und so Kurse oder Kunstwerke gewinnen. Grundsätzlich begrüße ich ja Verlosungen, aber nicht wenn sie, wie in diesem Falle, den Charakter einer Schnitzeljagd haben und einige Besucher nicht um der Kunstwillen die Galerien betreten, sondern schon in der Tür mit der Karte wedeln und als erstes fragen, wo es denn hier die Stempel gibt.

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Die nächste Galeriemeile ist dann im kommenden Mai, dem ersten Samstag und Sonntag, also am 6. und 7. Mai 2017.

Weiter wird es ein kleines Projekt zu der ebenfalls im Mai stattfindenden Landtagswahl geben. Es wird sich um etwas politischere Inhalte in Verbindung mit Kunst gehen. Starten wird es einige Wochen vor der Wahl, so Ende Januar, oder Anfang Februar, am Ende dieser Serie werden die Protagonisten hier verlost.

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