googled4c9dab919003bf2.html

Zechenführung

Es gibt Dinge, die auch ich zum ersten Mal gemacht habe, so wie die Zechenführung auf Schacht 1 auf der Zeche Carl im Essener Norden. Insgeheim hatte ich die Hoffnung, die schweren Eisentore des wohl ältesten Malakowturms im Ruhrgebiet würden sich für die Teilnehmer öffnen und einen Blick auf das Innerste der Ingenieurkunst von vor mehr als hundert Jahren freigeben. Das war leider nicht so, denn die Behörden der grünen Hauptstadt Europas haben einen Riegel davor geschoben.

… Künstlername des Herren ist Herbert Knebel

Was jetzt nicht heißen soll, das der Rundgang über die kleine Zeche in Altenessen uninteressant gewesen ist, eher das Gegenteil. Für einen wie mich wurden dann Entwicklungsschritte bekannt, die Zechen im Laufe der Zeit durch gemacht haben, von denen ich bislang keine Ahnung hatte. So weis ich jetzt was eine „Fahrkunst“ ist und das sich diese ein findiger Ingenieur ausgedacht hat. Auch war ich der Meinung, das es eine Kaue gab, aber auf manchen Bergwerken aber eine Weiße und eine Schwarze. Und wo sich heute der Autoverkehr vierspurig in Richtung Stadtgrenze quält, war früher ein großer Bahnhof mit zwölf Gleisen in Nord/Südausrichtung. Auch spielte die Erfindung der Eisenbahn eine sehr große Rolle bei der Industrialisierung des Ruhrgebiets, zumindest Mitte des 19 Jahrhunderts. Und die Zeche Carl wurde schnell an die erste, das Ruhrgebiet durchquerenden Eisenbahnlinien (Köln-Mindener Eisenbahn), angeschlossen.

Auch der Name Malkowturm hat wenig mit einem Pionier aus den frühen Tagen des Bergbaus zu tun, sondern eher mit dem Fort Malkow auf der Krim, welches lange nicht von feindlichen Truppen (in diesem Fall Franzosen) eingenommen werden konnte. Aber schön ist er trotzdem der massive Turm mit dem Namensschild „Carl“, das weithin sichtbar und stolz von ihm getragen wird.

Heute ist die schwere Arbeit, die in vergangenen Zeiten auf dem Gelände verrichtet wurde, nur noch zu erahnen. Dafür gibt es jetzt ein Soziokulturelles Zentrum in den Räumen der Kauen, des Casinos und der Lohnhalle. Karriere wird nun nicht mehr durch Verbesserung der Arbeitsmethoden gemacht, sondern durch die Unterhaltungsbranche. So hat in der Anfangszeit der Umnutzung ein gewisser Uwe Lyko hier gekellnert und seine ersten Schritte auf eine der Bühnen von Carl unternommen. Heute bewegt er keine Flaschen und Gläser mehr, sonder tritt im Fernsehn auf und begeistert viele mit seinem Bühnenprogramm. Der Künstlername des Herren ist Herbert Knebel.

Wer jetzt Lust auf eine Besichtigung der Zeche Carl hat und eine Führung machen möchte, erfährt die Termine auf der Webseite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.