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Extranass 2017 – seit Jahren mal wieder

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen, das funktioniert und harmonisiert einfach nicht. Da gibt es auf der einen Seite die Extraschicht im Ruhrgebiet und auf der anderen Seite mich. Was nicht heißen soll, das ich daran schuld bin, das keine Einigkeit aufkommt zwischen und. Gut, ich bin nicht sonderlich erpicht darauf, diesen Termin im Juni als eins der „ auf keinen Fall zu verpassenden Events“ zu heben, nein, eher das Gegenteil, es berührt mich kaum, wenn der Termin naht. Mittlerweile mache ich mir noch nicht einmal die Mühe das Programm aufzurufen und eventuelle Touren zu Nacht der Nächte im Ruhrgebiet zu planen.

In diesem Jahr war es irgendwie anders, ich fand mich auf der Einladungsliste von Zollverein wieder. Es ist ja so, dass die Zeche jedes Jahr zu Extraschicht ein eigenes Ticket herausgibt, welches den Inhaber berechtigt, nur die Veranstaltungen auf dem Gelände von Zeche und Kokerei zu besuchen. Das reicht in meinen Augen auch aus, um nicht völlig im Gedränge und Gewühl der Transfergelegenheiten unterzugehen. Also vergaß ich meine Vorbehalte aus der Vergangenheit und machte mich pünktlich auf zum Zechentor um die künstlerischen Darbietungen zu genießen. Es regnete ausnahmsweise mal nicht zur Schicht. Also Kamera geschnappt und mit dem festen Willen bis zum Ende um 2 Uhr durchzuhalten.

Die schlechteste Entscheidung des Abends: wieder zu kommen

Meine erste Station was die Mischanlage der Kokerei, mit modernem Tanztheater, so etwas hatte ich noch nicht gesehen und für Horizonterweiterungen bin ich ja immer zu haben und wenn das Ganze noch in einem alten Industriegebäude stattfindet, kann ja nichts mehr schief gehen. Internationale Nachwuchstänzer wollten ihr Können aufs Parkett den Steinfußboden bringen, ganz in gelb gewandet, was einen schönen Kontrast zum Betongrau darstellte. Die Qualität der Aufführung zuberuteilen, Maße ich mir nicht an, denn dazu bin ich zu viel Laie, gefallen hat es mit trotzdem.

Weiter ging es zur Hauptverwaltung der RAG, eine weitere Bühne versprach mir Unterhaltung. Vorbei ging es an der erst kürzlich fertiggestellten Grand Hall, die leider keinen Programmpunkt auf Zollverein beisteuerte, was ich wiederum sehr bedauerte. Es wäre eine gute Gelegenheit, einem breiten Publikum diese neu geschaffene Eventhalle einmal mit entsprechendem Programm vorzustellen und sich zu präsentieren, schade.

Kaum an der RAG-Bühne angekommen, wusste ich wieder, warum ich immer von Extranass sprach, der Wettergott öffnete die Regenwolken und die Besucher die Schirme. Glücklicherweise konnte ich mich und mein fotografisches Gerät in das Kammgebäude retten. Das Seifenmuseum mit der individuellen Seifenherstellung kannte ich ja auch noch nicht, denn ich hatte es zu den normalen Öffnungszeiten trotz guter Vorsätze noch nicht geschafft, mich zum Thema Seife kundig zu machen. Eine Galerie (mit Fotoverbot) gab es ja noch neben an, also genug Stoff um den, so hoffte ich, Schauer vorbeiziehen zu lassen.

Der Schauer entpuppte sich als etwas länger und hartnäckiger als mit lieb war, so beschloss ich, meine Tour zu unterbrechen und dem Halbfinale der U21 Europameisterschaft vor dem heimischen TV-Gerät beizuwohnen, ein Vorteil des nahen Wohnortes zur Zeche. 90 Minuten sollten ausreichen, um wieder mein Haupt zu trocknen, etwas zu essen um dann einen zweiten Versuch zu wagen.

Nach neunzig Minuten, die deutsche Elf verlor das Spiel gegen Italien mit 0:1 und einem kleinen Kontrollgang auf meinem Balkon war ich soweit, die Jacke wieder anzuziehen, die Kamera zu schultern und mich der Kultur auf Zollverein hinzugeben. Es war trocken!. Also die Treppen herunter, die Straße gequert und bereit für die zweite Runde. Miene Freude war nur von kurzer Dauer, es begann nach ein paar Minuten wieder zu regnen, dabei gefiel mit die Musik auf der Folkwangbühne am Gleisboulevard doch sehr gut. Aber es gab ja noch den Pavillon auf dem Dach des Ruhrmuseums, der Trockenheit und Ausblick versprach, dazu noch Musik und kalte Getränke. Der Ausblick auf die City von Essen in südlicher Richtung entschädigt ja auch, so mein Plan. Der Andrang vor den Fahrstühlen hielt sich auch in Grenzen, lediglich auf der Umsteigeebene 24 m gab es eine kurze Wartezeit, die erträglich war. Allerdings rechnete ich mit einer großen Fülle wegen des andauernden Regens. Wieder wurde ich eines besseren belehrt, es war angenehm leer, was aber auch an dem DJ gelegen haben könnte, der gerade seine 70iger Jahrezeit sehr zum Leidwesen das anwesenden Publikums aufarbeitete. Lange würde ich es bei diesen Klängen nicht aushalten, das war mir klar. Also einen kurzen Drink genommen und dann wieder per Fahrstuhl nach unten, einen neuen Versuch vor der Bühne der Folkwang Universität wagen.

Der Infostand der Zeche schloss gerade seine Luken, es war kurz nach Mitternacht, die spärlichen Zuschauer gaben sich alle Mühe der Band Anerkennung zu zollen, der Regen fiel unerbittlich und das Gelände leerte sich schnell. Mein Gedanke, mich in den Strom der zur Haltestelle wandernden zu mischen, war sicherlich nicht der Schlechteste. Die Lichtinstallationen waren auch schon fast alle abgebaut, die diesjährige Extraschicht auf Zollverein stand vor dem Ende, gute eineinhalb Stunden vor der offiziellen Zeit.

So lautet mein Fazit zu Extraschicht 2017:
Dinge zum ersten Mal gemacht: modernes Tanztheater besucht.
Die beste Entscheidung des Abends: Fußball kucken gehen
Die schlechteste Entscheidung des Abends: wieder zu kommen
Jetzt ist habe ich wieder ein paar Jahre Ruhe vor Extranass

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